Sex ist oft nur Thema Nummer 3

Über Sex kann man genauso reden, sich ver­stän­di­gen, ver­han­deln und aus­han­deln wie über alle ande­ren The­men und Belange der Paar­be­zie­hung oder Ehe. Für sehr viele Men­schen blei­ben ihre sexu­el­len Bedürf­nisse und Wün­sche in ihren Bezie­hun­gen uner­füllt. So stellt der Sexu­al­the­ra­peut David Schnarch in sei­nen Unter­su­chun­gen fest:

  • 40% aller Paare küs­sen sich nur sel­ten, wenn Sie mit­ein­an­der schlafen
  • 68% aller Paare haben Pro­bleme mit ihrem sexu­el­len Verlangen
  • 87% aller Paare haben keine inten­si­ven Gefühle, wenn sie mit­ein­an­der schlafen

Wenn wir in unse­ren Coa­chings das Thema Sex anspre­chen, mei­nen wir natür­lich nicht das Behe­ben von psy­chi­schen oder phy­sio­lo­gi­schen Funk­ti­ons­stö­run­gen in der Sexua­li­tät.
Zum einen sind dies The­men, die in die Hände von Ärz­ten gehö­ren, viel wich­ti­ger aber:
Funk­ti­ons­stö­run­gen sind nur in sel­te­nen Fälle die Ursa­che der Pro­bleme beim Sex.

Die Ursa­che der Pro­bleme liegt fast immer in der Bezie­hung selbst, in der Hal­tung zuein­an­der und zu sich selbst, zur eige­nen Sexualität.

Span­nend ist, wie Inti­mi­tät und Sexua­li­tät in jeder Paar­be­zie­hung zusam­men­hän­gen und sich gegen­sei­tig bedin­gen und beein­flus­sen, denn diese bil­den immer ein Sys­tem, das eige­nen Regeln folgt. In der Sexua­li­tät kann es um mehr als den Abbau sexu­el­ler Triebs­pan­nung gehen: um das Begeh­ren des Part­ners als gan­zen Men­schen und das Erle­ben einer leben­di­gen, ero­ti­schen und lei­den­schaft­li­chen Sexua­li­tät. Es ist mög­lich, sich die­ses schöne und wert­volle Mit­ein­an­der auch in der lang­jäh­ri­gen Bezie­hung zu erhal­ten. Sexua­li­tät und Inti­mi­tät kön­nen Kraft­quel­len der Bezie­hung sein.

Paare, denen eine gemein­same Ent­wick­lung gelingt, berich­ten: durch das Auf­de­cken der Wider­sprü­che in der Sexua­li­tät erlang­ten wir Selbst­er­kennt­nis, per­sön­li­che Wei­ter­ent­wick­lung und Reife. Und genau diese Reife brau­chen wir, um eine leben­dige, aus­ge­wo­ge­nen und erwach­sene Bezie­hung oder Ehe füh­ren zu können.

Es geht nie um Sex als etwas für sich ste­hen­des, eigen­stän­di­ges, los­ge­löst vom Gan­zen. Es geht um Fra­gen, die sich im gesam­ten Sys­tem der Bezie­hung, des gesam­ten Lebens und des indi­vi­du­el­len Lebens der Part­ner für sich stel­len: Wer sind wir? Woher kom­men wir? Wie kön­nen wir das, was in uns steckt, entfalten?

— David Schnarch