„Herr Keuner“ oder „Männer und Paartherapie“

Die Geschich­ten, in denen Bert­hold Brecht Herrn Keu­ner spre­chen läßt, ken­nen Sie bestimmt:

Herr Keu­ner wird gefragt: „Was tun Sie, wenn Sie einen Men­schen lieben?“

Herr Keu­ner: „Ich mache mir einen Ent­wurf von ihm und sorge dafür, dass er ihm ähn­lich wird.“

„Wer, der Ent­wurf?“ wird Herr K. dar­auf­hin gefragt.

Herr K. : „Nein, der Mensch!“

 

Ich erin­nere mich, wie ich in mei­ner Schul­zeit im Deutsch-Unterricht auf diese Geschichte mit Ver­wun­de­rung und Erstau­nen reagierte.

Den Ernst der Aus­sage habe ich erst in mei­ner Ehe begrif­fen — wel­cher Mann kennt das nicht: Irgend­wie werde ich das Gefühl nicht los, meine Liebste möchte mich gern zu etwas machen, möchte mich „ver­än­dern“. Und das aller­letzte dann, wenn sie mit dem Vor­schlag kommt: „ich denke wir soll­ten mal zu einer Paarthe­ra­pie gehen“. Da soll ich dann wohl noch mit Hilfe einer spe­zi­ell dafür geschul­ten PaarThe­ra­peu­tin „ein­ge­n­or­det“ werden.

Nicht mit mir! Das war völ­lig klar!

Ja, und die Ehe hat sich dann irgend­wann selbst erle­digt. Lei­der erkennt man meis­tens erst viel spä­ter, nach­dem man etwas ver­lo­ren hat, den Wert des­sen, was man beses­sen hat.

Und heute frage ich mich manch­mal, wovor haben wir Män­ner eigent­lich sol­che Angst. Im Beruf und in der Welt sind wir es doch gewohnt, ist es uns selbst­ver­ständ­lich, Kon­flikte durch­zu­ste­hen, uns für unsere Belange ein­zu­set­zen, sogar uns zu ver­än­dern und wei­ter zu ent­wi­ckeln. Warum nur fällt es uns in der Bezie­hung zur Frau so schwer?

Ich will an die­ser Stelle nicht ver­mes­sen sein und behaup­ten eine Ant­wort dar­auf zu haben. Es ist nicht mehr als meine per­sön­li­che Sicht in die­sem Moment:

Die durch den Femi­nis­mus in unse­rer Gesell­schaft erstark­ten Frauen sind uns Män­nern in der Bezie­hungs­kom­pe­tenz viel­leicht etwas vor­aus. Viel­leicht waren sie das aber auch schon immer. Ihnen fällt es leich­ter ihre Gefühle aus­zu­drü­cken und dar­über zu spre­chen, sich auch mal Luft zu machen und zu klä­ren, sich auch mal schwach zu zei­gen, um im nächs­ten Moment wie­der für sich ein­tre­ten zu kön­nen etc. Was jedoch gleich­zei­tig pas­sie­ren kann, ist etwas, das wir über­all beob­ach­ten kön­nen, wenn jemand beson­dere Kom­pe­tenz erlangt. Der ver­meint­lich Kom­pe­tente erteilt sich selbst die Deu­tungs­ho­heit für sei­nen Kompetenzbereich.

Und damit sind wir wie­der bei Herrn Keu­ner. Viel­leicht ist doch ein wenig daran, dass Frauen manch­mal den­ken, sie wis­sen wie Bezie­hung geht und manch­mal mei­nen, sie müss­ten es ihre  Män­ner lehren.

Also was tun, Män­ner? Augen zu machen, igno­rie­ren oder weg­lau­fen? Das haben wir lange getan! Ich meine, es ist für uns Män­ner an der Zeit uns zu stel­len – vor allem uns uns selbst zu stel­len, für uns selbst ein­zu­tre­ten, für das, was wir als Män­ner in Bezie­hung wol­len. Wir habe auch Gefühle – Män­ner­ge­fühle. Wir sind auch ver­letz­lich – als Män­ner, und das dür­fen wir auch sein. Wir haben unsere ganz eige­nen Bedürf­nisse als Män­ner an Bezie­hung und Sexua­li­tät, Nähe und Kon­takt. Diese zu erfas­sen, aus­zu­drü­cken und dafür ein­zu­tre­ten ist unsere große Herausforderung.