Liebesbeziehung und Persönlichkeitsentwicklung

Jürg Willi bezeich­net die Lie­bes­be­zie­hung als „people gro­wing machine“ und beschreibt damit ein bedeu­ten­des Phä­no­men der Paarbeziehung:

Wenn Män­ner und Frauen die Her­aus­for­de­run­gen anneh­men und ernst neh­men, in die sie durch den Part­ner bzw. durch die Bezie­hung gestellt wer­den, dann wer­den sie unwei­ger­lich in ihren ein­zel­nen Per­sön­lich­kei­ten wach­sen und als Mensch rei­fen. Dies wie­derum wird die Ent­wick­lung der Bezie­hung selbst beför­dern. Die Bezie­hung und die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung der ein­zel­nen ste­hen immer in Wechselwirkung.

Diese Pro­zesse gesche­hen nicht in der per­sön­li­chen „Kom­fort­zone,“ sie sind anstren­gend und manch­mal schmerz­lich und wir wür­den sie uns nicht aus­su­chen, wenn die Paar­dy­na­mik sie uns nicht besche­ren würde.

Die Her­aus­for­de­run­gen in der nahen inti­men Bezie­hung sind kom­plex und sehr viel­schich­tig. Man kann jedoch zwei Grund­the­men, die in jeder Bezie­hung eine zen­trale Rolle spie­len, beschreiben:

1. Ver­ständ­nis für „die Welt des anderen“

In der Begeg­nung von zwei Men­schen begeg­nen sich auch immer zwei unter­schied­li­che Wel­ten. Wir sind her­aus­ge­for­dert, den ande­ren in sei­ner Welt zu sehen, wahr­zu­neh­men und zu respek­tie­ren, ohne uns selbst bzw. unsere eige­nen Werte infrage gestellt zu sehen und ohne den ande­ren ver­än­dern zu wollen.

2. Selbst­be­haup­tung und Autonomie

Uns selbst, unsere eige­nen Werte klar ver­tre­ten – für uns selbst ein­ste­hen, ohne uns vom ande­ren und seiner/ihrer Welt abgren­zen zu müs­sen, oder uns über deren Werte zu stel­len, uns „bes­ser“ oder „rich­ti­ger“ zu füh­len oder über­haupt ver­glei­chen zu müssen.