Heute ein Paar sein

Für die meis­ten Men­schen ist die Bezie­hung zu ihrem Part­ner ein bedeu­ten­der und zen­tra­ler Teil des eige­nen Lebens. In unse­rer Lie­bes­be­zie­hung suchen und erle­ben wir Nähe und Inti­mi­tät. Wir tei­len unsere Sexua­li­tät mit­ein­an­der. In lang­jäh­ri­gen Bezie­hun­gen ent­steht eine Lebens­part­ner­schaft, in der unser Bedürf­nis nach Bin­dung, Ver­trauen, Zuge­hö­rig­keit, Lie­ben und Geliebt-Werden ebenso wie das Bedürf­nis nach einen leben­di­gen Sexua­li­tät Erfül­lung sucht.

Eine Bezie­hung zu füh­ren ist nicht ein­fach. Die Erwar­tun­gen sind so hoch wie die Belas­tun­gen und Her­aus­for­de­run­gen. Die alten Rol­len­bil­der von Mann und Frau in der Ehe grei­fen nicht mehr und hän­gen uns doch mach­mal an. Ein neues Modell für die Paar­be­zie­hung ist noch nicht gefun­den. Dies zeigt auch die etwas zyni­sche und resi­gna­tive Bezeich­nung der Lie­bes­be­zie­hung als „Lebensabschnittsbegleitung.“

Die Schat­ten­sei­ten und Ent­äu­schun­gen in die­sem wich­ti­gen Lebens­be­reich ken­nen wir alle. Ein­zelne unge­löste Kon­flikte wer­den oft zum Dau­er­kon­flikt. Den ande­ren nicht ver­ste­hen kön­nen oder sich selbst nicht ver­stan­den füh­len steht der Hoff­nung auf Nähe im Weg.

Uner­füllte Bedürf­nisse füh­ren viel­fach zu einer laten­ten Unzu­frie­den­heit, zu Zwei­feln oder Ver­zweif­lung und Abwe­gen. Wir machen ein­an­der Kum­mer. Es kön­nen Dyna­mi­ken mit gegen­sei­ti­gen Schuld­zu­wei­sun­gen, Abwer­tun­gen oder Zuschrei­bun­gen ent­ste­hen und zu einem sich wie­der­ho­len­dem Mus­ter wer­den. Die Sexua­li­tät ver­liert bei den meis­ten Paa­ren schon nach weni­gen Jah­ren an Lei­den­schaft und Inten­si­tät, an Begeh­ren und Begehrt-Werden, an Leben­dig­keit und Vielfältigkeit.

Heute ist es für die meis­ten Men­schen in ihrem Berufs­le­ben zur Selbst­ver­ständ­lich­keit gewor­den, ihre pro­fes­sio­nel­len Kom­pe­ten­zen stän­dig zu erwei­tern, sich wei­ter zu bil­den oder sich per­sön­lich coa­chen zu las­sen. Im Pri­vat­le­ben ist es noch eher unge­wöhn­lich. Obwohl es für die meis­ten Men­schen das Wich­tigste ist!

Bezüg­lich Part­ner­be­zie­hung, Fami­li­en­le­ben und Kin­der­er­zie­hung herrscht oft unhin­ter­fragt die Mei­nung: Das kann man – und das heißt dann kon­kret: man ori­en­tiert sich daran, wie man es als Kind in der eige­nen Fami­lie erlebt hat.

Das Resul­tat ist, dass viele Men­schen mehr oder weni­ger unzu­frie­den und uner­füllt in ihren nahen Bezie­hun­gen leben.

Wo ist die Lösung?

Ein Patent­re­zept – das ahnen Sie ver­mut­lich schon – gibt es lei­der nicht. Packungs­bei­lage lesen, anwen­den und gut? Nicht ganz so ein­fach, vor allem weil Kon­flikte in der Paar­be­zie­hung ja nicht mit einer Krank­heit oder einem Motor­scha­den gleich­zu­set­zen sind, den man repa­rie­ren könnte.

In unse­rer Arbeit mit Paa­ren zie­hen wir im Grunde an drei Strän­gen:

Lösungs­strang 1:

Die innere Hal­tung ändern …

  • … zu Bezie­hung grund­sätz­lich: Bezie­hung ist nicht ein­fach irgend­wie da oder nicht da, son­dern Du bist der Gestal­ter, Macher, Initia­tor, Ver­än­de­rer, Ent­wick­ler Dei­ner Beziehungen.
  • zum Part­ner: dein Part­ner lebt in einer ande­ren inne­ren Welt als du, d.h. er erlebt euer gemein­sa­mes Leben anders als du, inter­pre­tiert und bewer­tet anders als du. Es gibt kein „rich­tig“ oder „falsch.“
  • zum Mensch­sein: du und deine Part­ne­rin seid wie alle Men­schen keine fest­ge­schrie­bene Ein­heit: Wir sind keine kon­stante Größe son­dern von Natur aus  in mehr oder weni­ger ste­ti­ger Ver­än­de­rung begrif­fen. Jeder Mensch ent­wi­ckelt sich, hat ganz viele Sei­ten und ist letzt­lich unergründlich.
  • zu dir selbst: du bist auch ein Mensch! Ent-decke dich selbst. Gib dir die Chance, mehr zu wer­den, deine emo­tio­na­len Hori­zont erwei­tern, alten Bal­last über­win­den, deine mensch­li­chen Kom­pe­ten­zen und Stär­ken zu ver­grö­ßern und zu verfeinern.

Lösungs­strang 2

Kom­mu­ni­ka­tion ver­ste­hen ler­nen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kom­pe­tenz erlan­gen hilft dabei, zu ver­ste­hen, wieso wir etwas genau so sagen wie wir es sagen — und wie wir es schaf­fen kön­nen, genau das zu sagen, was wir mei­nen, ohne den ande­ren zu verletzen.

Hierzu gehört auch die Fähig­keit und Bereit­schaft zum Ver­han­deln: In guter Weise die Posi­tio­nen klar machen, ver­han­deln, aus­han­deln, gute Kom­pro­misse fin­den nach dem Win-Win-Prinzip. Um dies zu errei­chen, müs­sen Sie kein pro­fes­sio­nel­ler Media­tor wer­den, doch die Beglei­tung durch Media­to­ren  kann Ihnen hel­fen, die Grund­fer­tig­kei­ten des ziel­ori­en­tier­ten Ver­han­delns in Ihre Bezie­hung ein­flie­ßen zu lassen.

Lösungs­strang 3

Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung in Sinne von ein-ganzer-Mensch-werden.

Kon­kret heißt das in unse­rer Arbeit, dass wir Men­schen an die Fra­gen heranführen:

  • Wer bist du und was möch­test du?
  • Was ist dir wich­tig, was sind deine Werte und was deine Bedürfnisse?
  • Was fühlst du? Du musst dich selbst und das was dir wich­tig ist füh­len können.
  • (Wir unter­stüt­zen darin, Gefühle zu ent­de­cken und auzudrücken)
  • Wo sind deine Grenzen?
  • Wie schützt du deine Grenzen?
  • Lerne wahr­zu­neh­men und klar aus­zu­drü­cken wo dein Ja und wo dein Nein ist!

Diese drei Stränge in einer Gesamt­heit zu ent­wi­ckeln und zu beför­dern erzeugt Beziehungskompetenz.